Die Berliner Philharmoniker

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 „Herbert von Karajan zaubert Ludwig van Beethoven“ Zeichnung von Carlos Obers © 2015
„Herbert von Karajan zaubert Ludwig van Beethoven“ Zeichnung von Carlos Obers © 2015

Zirkus Karajani

Von Greta Brentano

Hin und wieder lese ich, die Berliner Philharmoniker hätten eine Symphonie „in Perfektion“ dargeboten.  Solch falsches Lob klingt für mich wie eine Beleidigung aus Unverstand.

Da erscheint mir der Berliner Volksmund sachkundiger, wenn er beim Eröffnungskonzert 1963  – mit mildem aber zutreffendem Spott  – die Berliner Philharmonie als „Zirkus Karajani“ bezeichnete (gewiss im Anklang an den populären Zirkus Sarrasani).  Unverkennbar: Das vom Architekten Hans Scharoun (1993 bis 1972)  konzipierte Gebäude erinnert an ein Zirkuszelt.  Und das zentrale Orchesterpodium mit seinen ringsum ansteigenden Logenterrassen (damals eine Weltneuheit)  hat durchaus etwas von einer Zirkus-Arena. Herbert von Karajan (den Chefdirigenten bis 1989) schließlich mit einem Zirkusdirektor oder Zauberer zu vergleichen, sagt mehr über sein Schaffen aus als manche Biographie.

Ja, auf den Zauber kam es Karajan an. Staunend, mit offenen Mündern, wie die Kinder im Zirkus,  sollte das Publikum dasitzen,  wenn er, der Magier, eine hundertmal gehörte Beethoven-Symphonie, so zum Klingen brauchte, wie es kein Ohr bis dato vernahm.

Die Berliner Philharmoniker hört man ja nicht, um sich Nachhilfestunden im Musikunterricht zu verordnen. Zeuge eines Wunders will man sein. Perfektion verlangt man allenfalls von seiner Waschmaschine.

 Am Anfang war die Rollschuhbahn

„ … Wie dieser einzige Dirigent das Orchester an seinem Zauberstab führt, … das lässt sich nur schwer beschreiben …“ jubelte der Berliner Courier 1888.  Schon damals stand also ein Zauberer am Pult: Hans von Bülow (1830 bis1894), ein Schüler von Richard Wagner und Franz List und selbst ein renommierter Pianist, leitete als erster Chefdirigent die Philharmoniker (die damals noch Berliner Philharmonisches Orchester  hießen) in der Halle einer ehemaligen Rollschuhbahn.

Nach von Bülows Tod dirigierte der Komponist Richard Strauss (1864 bis 1949)  die meisten Konzerte, bis Arthur Nikisch (1955 bis 1922)  die Position des Chefdirigenten auf Lebzeiten übernahm. Der Kosmopolit Nikisch erschloss dem Orchester Gastspiele in der Schweiz, Frankreich, Belgien, Italien, Spanien, Portugal und Russland, und er lud internationale Stars wie Pau Casals und den elfjährigen Jascha Heifetz ein, in Berlin zu spielen. Mit Beethovens Fünfter nahmen Nikisch und die Philharmoniker 1913 erstmals eine vollständige Symphonie auf Schallplatte auf. Später, unter Karajans Leitung, werden Tonträger zum weltweiten Ruhme des Orchesters  beitragen.

1922 übernahm Wilhelm Furtwängler (1886 bis 1954) den Zauberstab. Er sollte als der genialste aber auch umstrittenste Dirigent des 20. Jhdts. in die Geschichte eingehen. Der Nachwelt fällt es schwer, zu begreifen, dass eine derartige Geistesgröße sich und seine Philharmoniker von den Nationalsozialisten „zum Ruhme des Dritten Reichs“ missbrauchen ließ.

Das Schweigen der Unschuldslämmer

Furtwängler hatte Arthur Nikisch stets als Vorbild angesehen. Er selbst war stark geprägt vom Stil Felix Mottls (1856 bis 1911), der sich den Musikdramen Richard Wagners und den Symphonien Anton Bruckners verpflichtet sah.  Er verinnerlichte Wagners Idee, dass die Musik der Erlösung diene.  Peinlicherweise hat sie im Dritten Reich kein einziges der vielen Millionen Shoah- und Weltkriegsopfer erlöst.

Wie schon Beethoven suchte Furtwängler die tiefsinnigen Gedanken und Gefühle, die in den Partituren verborgen sind, hörbar zu machen. Im Dirigieren sah er, der selber Komponist war, einen schöpferischen Akt. Für ihn war Interpretation auch Intuition und Improvisation. Er wies seine Philharmoniker an, nur das zu spielen, was sie selber fühlen. Den Takt schlug er absichtlich „vage“, um das Metronom-gerechte in musikalischen Fluss zu verwandeln (fast schon wie beim Jazz). Viel gerühmt wie geschmäht sind Furtwänglers freie Gestaltungen von Dynamik und Tempi.

Der Musiktheoretiker Heinrich Schenker nannte ihn den „einzigen Dirigenten, der Beethoven wirklich verstand“, ähnlich wird Maria Callas zitiert: „Für mich war er Beethoven“ (aus John Ardion: The Furtwängler Record,  1994).

Höchstes Ansehen genoss Furtwängler auch bei Musikgrößen wie Arnold Schönberg, Paul Hindemith, Arthur Honegger, Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf und nicht zuletzt Yehudi Menuhin.

Ihn hatte Furtwängler bereits 1929 nach Berlin eingeladen, wo das zwölfjährige Wunderkind Yehudi unter Bruno Walters Leitung Violinkonzerte von Bach, Beethoven und Brahms spielte. Menuhin war es auch, der 1947 zurück nach Berlin kam, um demonstrativ als Jude  seine Solidarität mit Furtwängler zu bekunden.

Hatte der Maestro nicht schon im April 1933 durch seinen offenen Brief (im Berliner Tageblatt) an den Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels  gegen das Berufsverbot für seine jüdischen Orchester-Mitglieder die Stimme erhoben? Und hatte er nicht dadurch erreicht, dass der „Arier-Paragraph“ – wenigstens vorerst – nicht angewandt wurde? Und hatte er nicht seine Ämter als Leiter des Berliner Philharmonischen Orchesters, sowie als Staatsoperndirektor und ebenso als Vizepräsident der Reichsmusikkammer niedergelegt?

Ein Schlag ins Gesicht für Hitler und Konsorten? Wohl eher der Pups eines Schmetterlings. Flugs setzten ihn die Nazi-Häuptlinge Hitler, Göring und Goebbels auf ihre offizielle „Gottbegnadeten-Liste“ wie auch auf die „Sonderliste der drei wichtigsten Musiker der Gottbegnadeten-Liste“. Das sind Umarmungen, die erdrücken.

Allerdings bot sich Furtwängler 1936 die Gelegenheit, als Nachfolger Toscaninis die Leitung der New Yorker Philharmoniker zu übernehmen. Furtwängler lehnte ab. „Da lebte ein unvergleichlicher Künstler …  unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, und er weigerte sich, sie – die Emigranten – dadurch … zu bestätigen, … dass er der Barbarei den Rücken kehrt“, beklagt Fred K. Prieberg (in Kraftprobe. Wilhelm Furtwängler im Dritten Reich, 1986).

Auch Furtwänglers Nachfolger Karajan musste sich den Vorwurf gefallen lassen, sich im Nazi-Deutschland vielleicht doch etwas zu ehrgeizig verhalten zu haben.

Musik als Marketing und Management

Nach dem Tode Wilhelm Furtwänglers 1954 wählten die Berliner Philharmoniker nicht Sergiu Celibidache (der das Orchester während Furtwänglers Aufführungs-Verbot von 1947 bis 1952 geleitet hatte), sondern Herbert von Karajan (1908 bis 1989) zu dessen Nachfolger.

Karajan war der Ruhmreichere von beiden. Bereits 1938, nach seinem Dirigat von Wagners Tristan und Isolde in Berlin, hatte ihn die Presse als „Wunder Karajan“ tituliert. 1939 verlieh ihm Hitler den Titel „Staatskapellmeister“, ließ ihn jedoch wie eine heiße Kartoffel fallen, weil Karajan angeblich falsche Einsätze in Wagners Meistersinger gegeben habe, eine Oper für die sich der GRÖFAZ (wie Kurt Tucholsky den „größten Feldherrn aller Zeiten“ spöttisch nannte) selbst als Kompetenz erachtete. Karajan hat es überlebt. Das Dritte Reich brauchte die Glorie seines Stardirigenten, der (anders als Furtwängler) ja auch Parteimitglied war.

Nun, nach dem Krieg, hatten die Berliner Philharmoniker mit Karajans Wahl zum  „musikalischen Leiter auf Lebzeiten“ das große Los gezogen. Im Gegensatz zum Schallplatten-Muffel Celibidache fanden sie in Karajan einen höchst geschäftstüchtigen Promoter vermarktbarer Konzert-Mitschnitte. Er spielte rund 700 Werke von 130 Komponisten ein, die weltweit an die 300 Millionen mal verkauft wurden. Allein die Deutsche Grammophon machte mit ihm (zwischen 1960 und 2008) schätzungsweise ein Drittel ihres Umsatzes.  Beethoven, der sein Leben lang jeden Gulden fünfmal umdrehen musste, hätte gejubelt, es finanziell endlich mit den Beatles aufnehmen zu können.

Auch über die Orchestermitglieder ergoss sich ein Geldregen, vom dem sie sich gerne berieseln, doch nicht korrumpieren ließen. Bis heute wird ja der Skandal um die Klarinettistin Sabine Meyer kolportiert. Karajan bestand darauf, sie ins Orchester aufzunehmen und versuchte seinen Argumenten mit Erpressung Nachdruck zu verleihen. „Sehr geehrte Herren“ drohte der Maestro (am 3. Dezember 1982) per Brief, „die Orchester-Tourneen, die Salzburger und Luzerner Festspiele, die Aufzeichnungen von Opern und Konzerten für Television und Film und der ganze Komplex audiovisueller Produktionen sind als Folge der gegebenen Situation mit dem heutigen Tage sistiert“ (zitiert nach Deike Diening in Der Tagesspiegel vom 26.08.2007).

Der Cleverness Karajans ist auch zu verdanken, dass die Berliner Philharmoniker mit der Alpensinfonie von Richard Strauss 1982 die weltweit erste Audio-CD auf den Markt werfen konnten.  Und seit Juli 2014 eröffnet die Stiftung Berliner Philharmoniker ihrem Publikum mit ihrer Digital Concert Hall die Möglichkeit, Livekonzerte online mit zu erleben; ebenso Archivaufnahmen in höchster HD-Qualität, darunter auch Karajan-Konzerte aus den 1960er und 70er Jahren.

Das Hollywood des Herbert von Karajan

Vierunddreißig Jahre lang hat Herbert von Karajan die Berliner Philharmoniker geleitet und geprägt. Doch was bleibt von ihm übrig?

Allzu hochtrabend vergötterten ihn seine Zeitgenossen, allzu ungerecht unterschätzte ihn die nachfolgende Kritiker- und Hörer-Generation. Gewiss, seinem ganz dem Wohllaut geweihtem Musik-Anspruch ist der Zeitgeist abhanden gekommen. Schon Igor Strawinsky stellte in Abrede, dass „der Sacre zufriedenstellend aufgeführt werden kann in der Tradition des Herrn von Karajan“ (zitiert nach Holmes: Conductors on Record, London 1988, S. 126).

War er wirklich nur ein Meister der Musik des 19. Jahrhunderts?  Vorbildlich bei Verdi und Wagner, genial in seinen Interpretationen von Richard Strauss und Jean Sibelius, doch abhold aller Modernität?

Jede Symphonie sollte ihre natürliche Kraft entfalten wie ein Sturm oder ein großer Strom. Stets ließ er bei Mitschnitten ganze Sätze aufnehmen, niemals einzelne Passagen wiederholen und als Tonschnipsel aneinander stückeln – wie so mancher Kollege es vorzog. Grundsätzlich gab er seinem Orchester keine Einsätze; jeder Musiker sollte – wie er selbst – die Partitur auswendig beherrschen und aufmerksam auf seine Mitspieler hören. Das erforderte jedoch eine Akustik, die allen Orchestermitgliedern das Wahrnehmen aller anderen möglich machte.

Deshalb motivierte er den Baumeister der neuen Philharmonie, Hans Scharoun, zu einer Architektur „von innen nach außen“. So dienen die über der Bühne hängenden konvexen Reflektoren primär dazu, die Hörbarkeit der Instrumentalisten untereinander zu gewährleisten.

Karajans  Musik musste glänzen, brillieren und funkeln, von nie gehörter Schönheit – so wie man es bei einem Klang-Magier erwartet. Nebengeräusche, wie etwa von den Ventilen der Bläser, verabscheute er; kein Solist hätte es gewagt,  Melodien mit zu brummen (wie etwa Glenn Gould oder Casals).  Kritiker kreideten ihm deshalb seinen „Hochglanzklang“ an, statt Werktreue serviere er „Klassik à la Hollywood“.

Nachdem Nikolaus Harnoncourt (der sich einst als Cellist bei Karajan beworben hatte), die Kühnheit wagte,  J.S. Bach in historischer Praxis auf barocken Instrumenten aufzuführen und Mozart als Dramatiker einer Klangrede, statt als Schöngeist zu charakterisieren, erschien Karajans Dirigat aus der Mode gekommen.

 Schlank und jung nach über 100 Jahren

Nach Karajans Tod 1989 wählten die Berliner Philharmoniker Claudio Abbado (1933 bis 2014) zu ihrem Chefdirigenten, der sich – neben dem klassischen Repertoire – auch stark für die Moderne engagierte: u.a. für Gustav Mahler und Dmitri Schostakowitsch. In Wien hatte Abbado schon eng mit den zeitgenössischen Komponisten Boulez, Berio, Nono und Stockhausen zusammen gearbeitet.

Daran gemessen wirkte Karajan allzu rückwärtsgewandt. Doch auch er hatte der Nachwelt einige Referenz-Einspielungen der Moderne hinterlassen: darunter Claude Debussys lyrisches Drama Pelléas et Mélisande,  Maurice Ravels Boléro und  die  Aufnahme von Arnold Schönbergs Variationen für Orchester Opus 31, mit der er und die Berliner Philharmoniker bewiesen haben, wie hinreißend schön selbst atonale Musik klingen kann – falls man sie richtig spielt.

Abbado verjüngte das Orchester und besetzte die Hälfte der Mitglieder neu. Heute, 143 Jahre nach ihrer Gründung, zählen die Berliner Philharmoniker 128 Orchester-Mitglieder, darunter 19 weibliche.

Dem an Krebs erkrankten Abbado folgte 2002 der Brite Simon Rattle (Jahrgang 1955) an das Pult des Chefdirigenten.

Zu den Bedingungen Rattles gehörte die Neuorganisation des Orchesters. Fungierten die Berliner Philharmoniker bislang als Gesellschaft bürgerlichen Rechts, deren Einkünfte aus der Vermarktung von Mitschnitten (Schallplatten, Videos etc.) nicht der Stadt Berlin zukamen, während eine Parallel-Organisation, das Berliner Philharmonische Orchester dem Berliner Kultur-Senat unterstellt war, der u.a. für die Fest-Gagen aufkommen musste, so wurden beide Firmen nun in die öffentlich-rechtliche Stiftung Berliner Philharmoniker überführt. Die Stadt verdient nun mit und die Musiker sparen Steuern. Zugleich konnte die Deutsche Bank als Geldgeber gewonnen werden. Zum Intendanten wurde 2010 der Medien-Manager Martin Hoffmann (Jahrgang 1959) ernannt.

Sein Organisations-Talent verbindet Sir Simon mit einer charismatischen Persönlichkeit,  die ihn schnell zum Liebling bei seinem Orchester und beim Publikum machte – vor allem auch bei Jugendlichen. In den Jahren 2002-3 rief Rattle sein Education-Programm ins Leben, das auch durch den Dokumentarfilm Rhythm Is It! international populär wurde. „Es war Sir Simons Herzensangelegenheit und Überzeugung, dass die Philharmonie als ‚Kulturtempel‘ allen Nationen und ethnischen Gruppen – an denen gerade Berlin sehr reich ist – offen stehen sollte …“ (zitiert aus der Website der Berliner Philharmoniker). Jährlich dirigiert der Sir zudem ein Jugendorchester mit Berliner Schülern.

Ein besonderes Anliegen von Simon Rattle war die Aufführung von Gustav Mahlers Skizze zur 10. Sinfonie mit den kompositorischen Ergänzungen von Deryck Cooke. Zudem gilt er als Dirigent, der dem Werk Joseph Haydns den Stellenwert wiedergab, der diesem genialen Vorbild Mozarts und Beethovens im Kanon der Klassik zukommt.

„Rattle hat wie kein anderer Dirigent die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis für das romantische Repertoire fruchtbar zu machen versucht. Er hat Spielweisen der Alten Musik importiert – und hierdurch die Berliner Philharmoniker … zum – man muss es sagen: fortschrittlichsten Orchester ihrer Zunft gemacht“ (zitiert nach: Kai Luehrs Kaiser im Kulturradio des rbb am 23.11.2014).

Bis 2018 wird Simon Rattle den Berlinern noch erhalten bleiben. Dann endet sein Vertrag. Wer könnte der neue Chefdirigent werden?  Spannende Frage – vor allem für die prospektiven Nachfolger.

Hinweis: Alle in diesem Artikel genannten Fakten beruhen auf lexikalischen Angaben, u.a. aus Wikipedia. Zitate sind ausdrücklich gekennzeichnet.

Empfohlene Webseiten:

Berliner Philharmoniker – Konzerte, Karten.: www.berliner-philharmoniker.de
Die Digital Concert-Hall: http://www.digital-concert-hall.com
Rhythm Is It! (2004): www.dorok.info/rhythm-is-it-kostenlos-anschauen
Sir Simon Rattle – Home – Warner Classics: www.warnerclassics.com/sir-simon-rattle
Sir Simon Rattle – Berliner Philharmoniker: www.berliner-philharmoniker.de/sir-simon-rattle
Kai Luehrs-Kaiser: Herbert von Karajan www.kulturradio.de/programm/…karajan/herbert-von-karajan.htm

Bücher:

Johannes Althoff: Die Philharmonie. Berlin-Edition, Berlin 2002,  ISBN 3-8148-0035-4.
Dietrich Fischer-Dieskau: Jupiter und ich. Begegnungen mit Wilhelm Furtwängler. Berlin University  Press, Berlin 2009, ISBN 978-3-940432-66-7.
Annemarie Kleinert: Berliner Philharmoniker von Karajan bis Rattle. Jaron-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89773-131-2.
Karl Löbl: Das Wunder Karajan. Heyne, München 1978, ISBN 3-453-00827-8.
Klaus Lang: Herbert von Karajan. Der philharmonische Alleinherrscher. M-und-T, Zürich, St. Gallen 1992, ISBN 3-7265-6025-4.
Eleonore Büning: Karajan, Dirigent. Ein Interpret wird besichtigt. Insel, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-458-35027-9.
Cordula Groth: Das Berliner Philharmonische Orchester mit Claudio Abbado. Mit Beiträgen von Helge Grünewald, Hans-Jörg von Jena, Ulrich Meyer-Schoellkopf. Berlin 1994, ISBN 3-87584-481-5.
Frithjof Hager: Claudio Abbado: Die anderen in der Stille hören. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-518-39662-5.
Angela Hartwig: Rattle at the door. Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker 2002 bis 2008. Evrei-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-00-028093-1.

 

PS: Verdoppeln Sie Ihre Musikerlebnis, indem Sie es mit Ihrer Muse teilen!

The Berliner Philharmoniker

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“Herbert von Karajan conjures up Ludwig van Beethoven,” drawing by Carlos Obers © 2015
“Herbert von Karajan conjures up Ludwig van Beethoven,” drawing by Carlos Obers © 2015

Circus Karajani

By Greta Brentano

Now and then, I read that the Berliner Philharmoniker philharmonic orchestra has supposedly presented a symphony “perfectly.” Such false praise sounds to me like an insult based on lack of judgment.

To me, Berlin vernacular appears to be better informed in this case, having described the Berliner Philharmonie concert hall – in mild but accurate derision – as “Circus Karajani” (a play on words on the popular Circus Sarrasani, of course) at the time of its opening concert in 1963. Unmistakable: the building designed by architect Hans Scharoun (1893 to 1972) is reminiscent of a circus tent. And the central orchestral podium with its upwardly inclined loge terraces on all sides (at the time a world first) absolutely has something of a circus arena about it. Indeed, comparing Herbert von Karajan (principal conductor until 1989) to a circus ringmaster or conjuror says more about his work than many a biography.

Yes, it was about magic for Karajan. The audience should sit stunned and open-mouthed, like children at the circus, when he, the magician, brought to life in a way that no ear had previously experienced it a Beethoven symphony already heard a hundred times before.

After all, you don’t listen to the Berliner Philharmoniker as private tutoring for music lessons. You might require technical perfection from your washing machine, but in the concert hall, you want to bear witness to a miracle.

At first, there was the roller-skating rink

“The way this unique conductor leads the orchestra with his magic wand is hard to describe …,” the Berliner Courier exulted in 1888. So, even back then, there was a conjuror on the podium: as the first principal conductor, Hans von Bülow (1830 to 1894), a pupil of Richard Wagner and Franz Liszt and himself a renowned pianist, led the Philharmoniker (which was still known as the Berliner Philharmonisches Orchester  ‘Berlin Philharmonic Orchestra’ at the time) in the hall of a former roller-skating rink.

After von Bülow’s death, the composer Richard Strauss (1864 to 1949) conducted the majority of the concerts until Arthur Nikisch (1855 to 1922) took on the position of “principal conductor for life.” The cosmopolitan Nikisch took the orchestra to guest appearances in Switzerland, France, Belgium, Italy, Spain, Portugal, and Russia, and invited international stars such as Pau Casals and the 11-year-old Jascha Heifetz to play in Berlin. Nikisch and the Philharmoniker first recorded an entire symphony for gramophone with Beethoven’s Fifth in 1913. Later, under the leadership of Karajan, sound recordings would contribute to the worldwide fame of the orchestra.

In 1922, Wilhelm Furtwängler (1886 to 1954) took over the magic wand. He was destined to go down in history as both the most brilliant and the most controversial conductor of the 20th century. Posterity struggles to come to terms with the fact that such a great mind allowed himself and his Philharmoniker to be abused by the National Socialists “for the glory of the Third Reich.”

The Silence of the Lambs

Furtwängler had always seen Arthur Nikisch as a role model. He in turn was strongly influenced by the style of Felix Mottl (1856 to 1911), who considered himself beholden to the music dramas of Richard Wagner and the symphonies of Anton Bruckner. He internalized Wagner’s idea that music served salvation. Embarrassingly, it did not save a single one of the many millions of victims of the Holocaust and the Second World War.

Like Beethoven before him, Furtwängler sought to make the profound thoughts and feelings hidden in musical scores audible. As a composer himself, he saw conducting as a creative act. For him, interpretation was also a matter of intuition and improvisation. He instructed his Philharmoniker to only play what they themselves felt. He intentionally kept the beat “vague,” in order to turn the metronomic balance into a musical flow (almost like jazz). Furtwängler’s free arrangements of dynamics and tempos have been praised and maligned almost in equal measure.

Music theorist Heinrich Schenker called him the “only composer who really understood Beethoven,” and Maria Callas has similarly been quoted as saying “For me, he was Beethoven,” (from John Ardion’s The Furtwängler Record, 1994).

Furtwängler was extremely highly regarded by many musical greats, including Arnold Schönberg, Paul Hindemith, Arthur Honegger, Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf, and last but not least, Yehudi Menuhin.

Furtwängler invited him to Berlin as early as 1929, at which time the 12-year-old child prodigy Yehudi played violin concertos by Bach, Beethoven, and Brahms under the stewardship of Bruno Walter. It was also Menuhin who returned to Berlin in 1947 as a demonstration of solidarity as a Jew with Furtwängler.

Had the maestro not spoken out against the ban on his Jewish orchestra members as early as April 1933 with his open letter (in the Berliner Tageblatt) to the Reich Minister of Propaganda, Joseph Goebbels? And in doing so, did he not ensure that – at least to begin with – the “Aryan paragraph” was not applied? And had he not resigned from his positions as leader of the Berlin Philharmonic Orchestra, head of the State Opera, and Vice President of the Reich Chamber of Music?

A kick in the teeth for Hitler and his cronies? More like the equivalent of a butterfly breaking wind. The Nazi head honchos Hitler, Göring, and Goebbels quickly placed him on their official “List of the divine” and the “Special list of the three most important musicians on the list of the divine.” Embraces that only served to smother the recipient.

Furtwängler did have the opportunity to take over leadership of the New York Philharmonic in 1936, as successor to Toscanini. Furtwängler turned down the offer. “There was an incomparable artist … living under the rule of the National Socialists, and he refused … to confirm …  to them – the emigrants – in that way … that he turns his back on barbarism,” bemoans Fred K. Prieberg in Kraftprobe. Wilhelm Furtwängler im Dritten Reich, 1986.

Furtwängler’s successor, Karajan, also had to live with the accusation of perhaps having shown a little too much ambition in Nazi Germany.

Music as Marketing and Management

After the death of Wilhelm Furtwängler in 1954, the Berliner Philharmoniker did not select Sergiu Celibidache (who had conducted the orchestra while Furtwängler was banned from performing from 1947 to 1952), but Herbert von Karajan (1908 to 1989) as his successor.

Karajan was the more renowned of the two. As early as 1938, after he conducted Wagner’s Tristan and Isolde in Berlin, the press labeled him “Wonder Karajan.” In 1939, Hitler gave him the title of Staatskapellmeister (State bandmaster), but then dropped him like a hot potato because Karajan had supposedly given the wrong cues in Wagner’s Meistersinger, an opera on which the GRÖFAZ (größten Feldherrn aller Zeiten – “the greatest field commander of all time” – as Kurt Tucholsky derisively referred to the Führer) considered himself an expert. Karajan survived. The Third Reich needed to uphold the glory of its star composer, who (unlike Furtwängler) was also a party member.

Now, after the war, the Berliner Philharmoniker had hit the jackpot with the choice of Karajan as “musical leader for life.” In contrast to the gramophone record cynic Celibidache, in Karajan they found a highly enterprising promoter of marketable concert recordings. He recorded around 700 works from 130 composers, which sold around 300 million copies worldwide. The Deutsche Grammophon label alone is estimated to have made a third of its sales (between 1960 and 2008) thanks to him. Beethoven, who had to count every penny throughout his lifetime, would have rejoiced at finally being able to match the Beatles in financial terms.

The orchestra members were also showered with money, which they allowed to rain down on them, but not to corrupt them. After all, the scandal relating to the clarinetist Sabine Meyer is spoken of to this day. Karajan insisted on bringing her into the orchestra, and tried to add force to his argument with blackmail. “Ladies and Gentlemen,” the maestro threatened in a letter of December 3, 1982, “the orchestra tours, the Salzburg and Lucerne festivals, the recordings of operas and concerts for television and film, and the whole complex of audiovisual productions have been suspended of today as a consequence of the existing situation,” (quoted by Deike Diening in Der Tagesspiegel on 08/26/2007).

Karajan’s cleverness is also to thank for the fact that the Berliner Philharmoniker was able to bring the first audio CD recording in the world to the market in 1982, with An Alpine Symphony by Richard Strauss. And with its Digital Concert Hall, the Stiftung Berliner Philharmoniker foundation has been providing its audience with the opportunity to experience live concerts online since July 2014. Also included are archive recordings in full-HD quality, among them Karajan concerts from the 1960s and 1970s.

The Hollywood of Herbert von Karajan

Herbert von Karajan led and characterized the Berliner Philharmoniker for 34 years. But what remains of him?

Overly idolized by his contemporaries, he was unfairly underestimated by the subsequent generation of critics and listeners to the same extent. Of course, the total commitment to euphony in his musical approach did not suit the zeitgeist. Even Igor Stravinsky denied that “Le Sacre can be satisfactorily performed in the tradition of Herr von Karajan,” (quoted by Holmes: Conductors on Record, London 1988, p 126).

Was he really only a master of 19th-century music? Exemplary with Verdi and Wagner, a genius in his interpretation of Richard Strauss and Jean Sibelius, but averse to any form of modernity?

For him, the natural power of every symphony should unfurl like a storm or a strong tide. He always had whole movements recorded live, never allowing individual passages to be repeated and put together as audio snippets – as some of his colleagues preferred to do things. As a rule, he gave his orchestra no cues; each musician should – as he did – learn the score by heart and listen carefully to their fellow musicians. However, this required acoustics that allowed all orchestra members to perceive all the others.

That is why he encouraged the head of construction for the new Philharmonie, Hans Scharoun, to make use of architecture working “from the inside out.” In this way, the convex reflectors hanging above the stage primarily serve to ensure that the instrumentalists can hear each other.

Karajan’s music had to sparkle, shine, and glisten with never-before-heard beauty – as was expected from a sound magician. He loathed ambient noise, such as that from the valves of the wind section; no soloist would have dared to hum along to the melodies (like Glenn Gould or Casals). Because of this, critics held his “high-gloss sound” against him, claiming he served up “classical à la Hollywood” rather than faithfulness to the original.

After Nikolaus Harnoncourt (who had once applied to be a cellist for Karajan) showed the audacity to perform J.S. Bach on baroque instruments in historically informed style and characterize Mozart as a dramatist writing a tonal language, rather than as an esthete, Karajan’s conducting appeared to have gone out of fashion.

Still Slim and Youthful over 100 Years On

After Karajan’s death in 1989, the Berliner Philharmoniker chose Claudio Abbado (1933 to 2014) as his successor as principal conductor. In addition to the classic repertoire, he was also very committed to the modern: Gustav Mahler and Dmitri Shostakovich, among others. Abbado had already worked together closely with the contemporary composers Boulez, Berio, Nono, and Stockhausen in Vienna.

Compared to that, Karajan seemed all too backward-looking. But he, too, had left behind some modern reference recordings for posterity, including Claude Debussy’s lyrical drama Pelléas et Mélisande, Maurice Ravel’s Boléro, and the recording of Arnold Schönberg’s Variations for Orchestra, Op. 31, with which he and the Berliner Philharmoniker proved how captivatingly beautiful even atonal music can be – if you play it the right way.

Abbado rejuvenated the orchestra, replacing half of the members. Today, 143 years after it was founded, the Berliner Philharmoniker has 128 orchestra members, 19 of whom are female.

In 2002, Abbado, who was suffering from cancer, was replaced on the principal conductor’s podium by the Brit Simon Rattle (born 1955).

Rattle’s conditions included a reorganization of the orchestra. The Berliner Philharmoniker had, up to that point, functioned as a nontrading partnership organized under the German Civil Code, whose income from the sale of recordings (records, videos, etc.) did not reach the Berlin city authorities, while a parallel organization, the Berliner Philharmonische Orchester, was subordinated to the Berlin senate chancellery for cultural affairs, which had to pay, among other things, the musicians’ fees. Now, both companies were converted into the public service Stiftung Berliner Philharmoniker foundation. In this way, the city also earns from the venture and the musicians are saved taxes. At the same time, Deutsche Bank was brought on board as a financial backer. Media manager Martin Hoffmann (born 1959) was named General Manager in 2010.

Sir Simon combines his organizational talent with a charismatic personality, which soon made him a favorite with his orchestra and the audience – especially the younger among them. In 2002–2003, Rattle started his Education Programme, which gained international popularity through the documentary film Rhythm Is It! “It was, and still is something close to Sir Simon’s heart, and his firm belief, that the Philharmonie should be accessible to all nationalities and ethnic groups – something Berlin is particularly rich in …” (taken from the web site of the Berliner Philharmoniker). In addition, the knight of the realm conducts a youth orchestra with Berlin school pupils each year.

The performance of Gustav Mahler’s never-completed Tenth Symphony, with compositional additions by Deryck Cooke, was particularly important to Simon Rattle. He is also credited with being the conductor who returned the work of Joseph Haydn, whose genius helped inspire Mozart and Beethoven, to the canon of classical music.

“More than any other conductor, Rattle has attempted to make historically informed performance fruitful for the romantic repertoire. He has imported ways of playing from early music, and, in this way, made the Berliner Philharmoniker … it has to be said, the most progressive orchestra of its kind,” (quoted from Kai Luehrs-Kaiser on “Kulturradio vom rbb” on 11/23/2014).

Simon Rattle will stay with the people of Berlin until 2018, when his contract ends. Who could be the next principal conductor? An exciting question – especially for the potential successors.

 

Note: All facts stated in this article are based on written materials, from sources including Wikipedia. Quotations are expressly marked as such.

 

Recommended web sites:

Berliner Philharmoniker – concerts, tickets: www.berliner-philharmoniker.de
The Digital Concert Hall: http://www.digital-concert-hall.com
Rhythm Is It! (2004): www.dorok.info/rhythm-is-it-kostenlos-anschauen
Sir Simon Rattle – Home – Warner Classics: www.warnerclassics.com/sir-simon-rattle
Sir Simon Rattle – Berliner Philharmoniker: www.berliner-philharmoniker.de/sir-simon-rattle
Kai Luehrs-Kaiser: Herbert von Karajan www.kulturradio.de/programm/…karajan/herbert-von-karajan.htm

Books:

Johannes Althoff: Die Philharmonie. Berlin Edition, Berlin, 2002, ISBN 3-8148-0035-4.
Dietrich Fischer-Dieskau: Jupiter und ich. Begegnungen mit Furtwängler. Berlin University Press, Berlin, 2009, ISBN 978-3-940432-66-7.
Annemarie Kleinert: Berliner Philharmoniker: Von Karajan bis Rattle. Jaron-Verlag, Berlin, 2005, ISBN 3-89773-131-2.
Karl Löbl: Das Wunder Karajan. Heyne, Munich, 1978, ISBN 3-453-00827-8.
Klaus Lang: Herbert von Karajan. Der philharmonische Alleinherrscher. M-und-T, Zurich, St. Gallen, 1992, ISBN 3-7265-6025-4.
Eleonore Büning: Karajan, Dirigent. Ein Interpret wird besichtigt. Insel, Frankfurt am Main, 2008, ISBN 978-3-458-35027-9.
Cordula Groth: Das Berliner Philharmonische Orchester mit Claudio Abbado. With contributions from Helge Grünewald, Hans-Jörg von Jena, Ulrich Meyer-Schoellkopf. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1994, ISBN 3-87584-481-5.
Frithjof Hager: Claudio Abbado: Die anderen in der Stille hören. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2000, ISBN 3-518-39662-5.
Angela Hartwig: Rattle at the Door. Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker 2002 bis 2008. Evrei-Verlag, Berlin, 2009, ISBN 978-3-00-028093-1.

 

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