Kann denn Sünde Liebe sein?

english version ->

Die Hure des heiligen Herzens.

Warum Jesus, Ovid, Properz, Caesar, Molière und andere Größen sich in Hetären verliebten.

Maria, nach christlichem Mythos ein gynäkologisches Wunder (Jungfrau und Gottesmutter zugleich), wird auch gerne „Himmelskönigin“ genannt. Das ist pikant. Denn diesen Titel trugen (zumindest in jenen Texten des Alten Testaments, die in Babylon entstanden) die „heiligen Huren“, hohe Priesterinnen der Tempel-Prostitution, etwa die Ischtar aus Babylon und die Ashera aus Kanaan.

Neuere Forscherinnen und Forscher bestreiten zwar, dass es jemals Tempelprostitution gegeben habe. Alles sei Legende. Doch ist denn das Mythologische und Legendäre nicht sehr viel aufschlussreicher als manche historische Tatsache? Was nützt uns die wissenschaftliche Erkenntnis, dass der weise Salomon sein „Hohes Lied der Liebe“ gar nicht selbst geschrieben habe, und dass sein Palast kaum größer als ein Ziegenstall gewesen sei?

Noch in Kirchen-Chorälen des Frühbarock ertönen die Liebesschwüre Gottes an seine Geliebte, Maria:

„Erhebe Dich und eile, meine Geliebte, meine Taube, meine Schöne, aus dem Land der Sorgen und komme nach diesem Land, das ich Dir zeigen werde! Komme zu mir, dem, der Dich am meisten liebt! Denn ich habe Dich über alle anderen geliebt, und ich werde Dir mein Königreich schenken, denn ich habe lange Deine Schönheit begehrt“. (Mundy: „Vox Patris Caelestis“ um 1550).

Die Ähnlichkeit mit dem „Hohen Lied Salomons“ ist wohl Absicht. Gott macht seiner Auserwählten den Hof wie ein König – ein veritabler Potentat. Und wenn Marias Sohn, Jesus, predigt: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“, ist selbstverständlich nicht nur das Verteilen milder Gaben gemeint. Zum stärksten, reichsten und menschlichsten aller Gefühle gehören Menschenliebe (Caritas), Gottesliebe (Agape), Eltern- und Kindesliebe ebenso wie Eros und Sexus.

Lucas Cranach „Venus und Cupido“© Alte Pinakothek München. Unvoreingenommen  könnte in diesem Bild auch Maria mit dem Jesusknaben sehen.
Lucas Cranach „Venus und Cupido“© Alte Pinakothek München. Unvoreingenommen könnte in diesem Bild auch Maria mit dem Jesusknaben sehen.

Dass Jesus nicht unbeweibt durchs Leben ging, wissen wir. Auch, dass die Frau, die ihm am nächsten stand und die (gemeinsam mit seiner Mutter) als erste sein Grab aufsuchte, Maria Magdalena war. Für den Evangelisten Johannes, der von einigen Exegeten auch als der Bruder Magdalenas bezeichnet wird, war Magdalena „Die Frau, die Jesus liebte“. Die Überlieferung kennt sie als „Sünderin“. Aus ihrem Haus in Magdala (am See Genezareth) hatte Jesus sieben Dämonen vertrieben. Doch nicht dieser Hokuspokus beweist, dass Magdalena eine Prostituierte war, vielmehr die Tatsache, dass Frauen im Altertum kein Recht hatten, ihr eigenes Haus zu führen – ausgenommen Hetären.

Nun fürchten zwar einige Glaubensverwirrte, dass es ein Sakrileg sei, die Gefährtin des „Erlösers“ eine „Hure“ zu nennen. Ist euch, liebe Betschwestern, je in den Sinn gekommen, dass es eine Ehre sein könnte? Die hausbesitzenden Huren waren Hetären, und im Gegensatz zu Ehefrauen vielsprachig belesen und rhetorisch brillant. Sie waren die ersten emanzipierten Frauen der Geschichte. Jesus hat sich also eine echte Emanze geangelt. Was nicht weniger bedeutet als: Er war ein emanzipierter Mann. Moderne Herren sind gut beraten, sich diesen tapferen und weisen Liebenden als Vorbild zu nehmen!

„Ich bin die Erste und die Letzte, die Gehasste und die Verachtete, die Hure und die Heilige, die Hausfrau und die Jungfrau“, dieses Zitat stamm nicht etwa von Anaïs Nin, der Geliebten des Sex-Apostels Henry Miller sondern von Maria Magdalena, der Gefährtin eines großen Propheten von Judentum, Islam und Christenheit. Jauchzet, frohlocket!

Ovid (Publius Ovidius Naso 43 v.Chr. bis 17 n. Chr.) ein römischer Zeitgenosse Jesu, hat sich wie dieser dem Thema Liebe verschrieben. Seine „Ars amatoria“ gilt als erstes Lehrbuch der Liebeskunst. In 49 Gedichten liefert der pornophile Poet seinen Leserinnen und Lesern ein ebenso amüsantes wie praktikables Handbuch der Liebestechniken. Weder sie noch er, so rät er, sollte Amors Pfeilen erliegen und sich dadurch zum Hampelmann des Liebesgottes machen. Viel klüger sei es, seiner Sinne Herr zu werden und seine Lust mit klarem Kopf zu vervollkommnen – wie ein Künstler. Nur als Hetäre oder mit einer Hetäre, sei dieses höchste Liebesglück zu erreichen. Ovid selbst erkor sich die Hetäre Corinna zur Gespielin, in die er sich leider unsterblich verknallte. Corinna lachte und Ovid litt.

Alle überlieferten Elegien des Properz (Sextus Aurelius Propertius, 48 bis 15 v. Chr.), der neben Ovid, Catull und Tibull zu Roms großen Lyrikern zählt, handeln von der Hetäre Cynthia. „Sie liebt weder die Macht noch die Romanze, nur vom Geldbeutel lässt sie sich leiten“, jammert der Dichter. Sobald er Besitz von Cynthia zu ergreifen versuchte, entzog sie sich ihm. Doch mehr noch als ihre Schönheit und ihre Sinnlichkeit war es ihre Autonomie, die Männer magnetisch anzog. Der antiken Gesellschaft galt eine emanzipierte Frau als Exotin: selten und begehrenswert wie ein Juwel.

Aspasia von Milet, Hetäre, Philosophin, Rhetorikerin (ca. 470 bis 420 v. Chr.) könnte so ausgesehen haben: Porträt von Sandro Botticelli© Uffizien Florenz
Aspasia von Milet, Hetäre, Philosophin, Rhetorikerin (ca. 470 bis 420 v. Chr.) könnte so ausgesehen haben: Porträt von Sandro Botticelli© Uffizien Florenz

Bereits um 450 v.Chr. versetzte die Hetäre Aspasia den Senat von Athen in Aufruhr. Sie war die Muse und die Geliebte (und spätere Lebensgefährtin) des bedeutendsten Staatsmannes des demokratischen Athens: Perikles (490 bis 429 v. Chr.). Er, dem wir die Bauten der Akropolis verdanken, und der 15 Jahre lang Athens Geschicke leitete, galt seiner Zeit als kluger Diplomat, besonnener Feldherr und vor allem als genialer Rhetoriker. „Sooft er vor der Volksversammlung auftrat, vermochte er – nach Art eines guten Sprinters – die übrigen Redner rasch zu überrunden“, bezeugt der Dichter Eupolis. Welche Überraschung, als ruchbar wurde, dass als Autor seiner Reden wohl kaum er selbst infrage kam, vielmehr die von Sokrates und Platon geschulte Hetäre Aspasia.

Peinlich genug, wenn der verheiratete Landesvater eine bezahlte Geliebte unterhielt, schlimmer noch: Sie war Milesierin – eine Feindin also. Doch anstatt nach moderner Staatsmänner-Art törichte Meineide zu leisten und reumütig ins eheliche Bett zurück zu kehren, bekannte sich Perikles zu seiner Leidenschaft: Vor den Augen der Volksversammlung umarmte er seine Geliebte, und unter Tränen beschwor er die Athener: „Wenn ihr mir Aspasia nehmen wollt, dann nehmt mir auch mein Leben!“. Der Rat der Weisen beschloss: Man müsse ja nicht gleich übertreiben! Aspasia und Perikles blieben ein Paar.

Noch heute gilt Kleopatra (Kleopatra VII, 69 bis 12 v.Chr.) als die Assoluta aller berühmten Frauen. Mit Stolz verwies Ägyptens letzte Pharaonin auf ihre Vorfahren aus der Ptolemäer-Dynastie und darauf, dass sie väterlicherseits von Staatsmännern abstamme, mütterlicherseits aber von Hetären.

Es gibt indes auch Quellen, die in ihrer Mutter die Tochter einer Hohepriester-Familie sehen wollen, was sie mit Kleopatras Ägyptisch-Kenntnissen begründen. Nach dieser Argumentation müsste die kluge Prinzessin vieler Mütter Tochter sein, denn Plutarch berichtet, sie habe neben Ägyptisch auch Äthiopisch, Hebräisch, Arabisch, Syrisch, Medisch, Parthisch, Griechisch, die Sprache der Troglodyten (eines lybischen Volks-Stamms) und selbstverständlich Lateinisch beherrscht.

Zweifelsfrei hat sie von Ihren Eltern zwei Fähigkeiten erworben: ihr staatsmännisches Geschick und ihre Verführungskünste. Weder Gaius Julius Caesar (100 bis 44 v.Chr.) noch Mark Anton (ca. 82 bis 30 v.Chr.) konnten Kleopatras Schönheit verfallen, denn die gab es schlichtweg nicht (wie ihr Bildnis auf Büsten und Münzen belegt). Genau so wenig, wie im Herzen dieser überaus klugen Frau so etwas wie „romantische Verliebtheit“ aufflammen mochte. Unwiderstehlich und unvergleichlich muss aber die erotische und sexuelle Faszination der Pharaonin auf die beiden römischen Kaiser gewirkt haben. So etwas gelingt keiner Frau durch Gefühlsduselei – nur durch geniale Liebeskunst (wozu auch Technik und Taktik, List und Lust gehören)!

Stellen wir uns Angela Merkel vor: Bei einem Staatsbesuch Putins lässt sich die Kanzlerin splitternackt in einen Teppich einwickeln, um sich so im Schlafgemach dem Herrscher aller Reußen als Präsent darzubieten. Nun ja. Das jedenfalls war der Trick, mit dem Kleopatra den militärisch unschlagbaren Caesar bezirzte und bezwang. Wir kennen die weitere Geschichte: Die Pharaonin wird Regentin des gesamten südrömischen Reichs, gebiert Caesar einen Sohn (Caesarion, 47 bis 33 v.Chr.), Caesar wird ermordet, Caesarion wird ermordet, Kleopatra verführt Mark Anton, beide streben die Herrschaft über ganz Rom an, beide werden vom Heer des Augustus besiegt, beide enden durch Suizid. Wie bemerkt doch Goethe so gelassen?: “Wir scheiterten aneinander, es war eine schöne Zeit“.

Theodora von Byzanz, Hetäre und erste christliche Kaiserin (527 n.Chr.), Mosaik © Touristen-Information Ravenna
Theodora von Byzanz, Hetäre und erste christliche Kaiserin (527 n.Chr.), Mosaik © Touristen-Information Ravenna

Die erste christliche Kaiserin (und spätere Heilige) begann ihre Karriere im Bordell und auf dem Straßenstrich als sogenannte „Felatrix“ und „Meretrix“ (Prostituierte). Motiviert durch den Glauben, dass durch Christi Güte und ihrem eisernen Willen auch einer Frau die Welt zu Füßen liegen könne, nahm Theodora (500 bis 548 n.Chr.) Schauspielunterricht, studierte Literatur, Rhetorik und Sprachen mit dem Ziel, den mächtigsten Herrscher ihrer Zeit, den Kaiser Justinian I. (Flavius Petrus Sabbatius Iustinianus, genannt „der Große“; 482 bis 565 n. Chr.) zu verführen. Was ihr auf Anhieb gelang.

Der als extrem fromm und sittenstreng berühmt-berüchtigte Imperator verliebte sich in die schöne und eloquente Hetäre und erwählte sie – obgleich noch verheiratet – zu seiner offiziellen Geliebten. 524 ließ sich das Liebespaar trauen. Ab da regierte Theodora als gleichberechtigte Kaiserin. Während Justinian durch militärische und architektonische Heldentaten (u.a. Sieg über die Perser, Neubau der Hagia Sophia in heutiger Größe und Pracht) seinen Nachruhm sicherte, übte sich Theodora an den späteren Methoden Josef Stalins: Sie tyrannisierte das oströmische Reich mit einer erbarmungslosen Ideologie, der jeder zum Opfer fiel, der abweichende Meinungen äußerte.

„Man könnte schneller, so denke ich, alle Sandkörner zählen als die unermessliche Zahl jener (Menschenleben), welche dieser Kaiser (und seine Kaiserin) zerstörten“, schreibt der Historiker und Philosoph Prokopios von Caesarea (500 bis 562). Um so erstaunlicher, dass ein derart doktrinäres Herrscherpaar das modernste Eherecht seiner Zeit verkündete. Dessen Prämisse lautet: „Die gegenseitige Zuneigung ist die Grundlage jeder Ehe“ (eine Revision der in ganz Europa damals gültigen Zwangsehe). Auch homosexuelle Ehen waren jetzt legal. So heiratet z.B. Theodoras Berater Strategius seinen männlichen Geliebten. Zugleich kämpfte die Kaiserin gegen Kinderarbeit, gegen Jugend- und Zwangsprostitution und für die Rechte der Frauen. Dass sie in späteren Jahren die Tätigkeit der Hetären ebenfalls unter Strafe stellte, mag man als Eigennutz gelten lassen. Zwar vermochte kein Mann der mächtigsten Frau der westlichen Welt gefährlich werden, doch sie fürchtete Rivalinen, ebenso klug, schön und verführerisch wie sie selbst – nur eben 20 Jahre jünger und entsprechend attraktiver. Aus dem Kreis der Hetären könnte durchaus ein solches Miststück erwachsen.

Fazit: Niemand gelang es, Theodora zu besiegen – bis auf den Krebs. Sie starb mit 48. Wirklich kein Alter für eine Femme d‘ État!

So manchem Moralisten mag sich bei der folgenden Geschichte der Magen umdrehen. Doch sie lehrt uns, unvoreingenommen die Frage zu stellen: „Kann eine böse Frau eine gute Regentin sein?“ Ja, sie kann – wie uns das Leben der Wu Chao (auch Wu-Tse-tien; 625 bis 705 n.Chr.) beweist.

Bereits mit 13 Jahren wurde Wu Chao als Konkubine in den Harem des Kaisers T’ai Tsung aufgenommen. Als der betagte Herrscher starb, schor man seiner jugendlichen Geliebten – einem alten Brauch folgend – das Haupt und verbannte sie ins Kloster: Lebenslänglich, so war es geplant. Doch Wu, deren Kopf ebenso begnadet wie ihr Körper war, schmeichelte sich mit heimlicher Korrespondenz beim neuen Kaiser und dessen Gemahlin ein. Nach sieben Jahren wurde ihr erlaubt, in den Herrscher-Palast zurück zu kehren, wo sie den Thronfolger (Gao-Zong) beim Urinieren verführte. Dieser war von der schamlosen Schönen dermaßen beeindruckt, dass er sie zu seiner Haupt-Konkubine erkor.

654 gebar Wu Chao dem Kaiser ein Kind. Die bis dato unfruchtbare Kaiserin musste nun um ihre Zukunft bei Hofe fürchten – und Wu deshalb die Rache der Kaiserin. Statt zu fliehen, wählte sie die Offensive. Hochherzig entbot sie sich, der Herrscherin als Erste des Kaisers Kind zu zeigen. Ahnungslos betrat diese das Kinderzimmer – und wurde sogleich verhaftet. Denn die listenreiche Wu hatte zuvor ihr eigenes Baby mit einem Kerzenleuchter erschlagen. Sofort fiel der Verdacht auf die Kaiserin. Sie allein hatte ein Mord-Motiv. So konnte Wu nach der Hinrichtung ihrer Rivalin sich des Kaisers bemächtigen: 650 heiratet sie ihn, um nach seinem Tod (683) die Alleinherrscherin des Großchinesischen Reichs zu werden. Im Jahre 666, als sie 41 Jahre alt wurde, und ihr Gemahl begehrliche Blicke auf ihre schöne Nichte warf, würzte Sie den Wein der Nebenbuhlerin mit Gift.

Eines unnatürlichen Todes starben auch Ihre beiden Söhne, die nach dem Throne strebten, den dritten ließ sie für unzurechnungsfähig erklären. Ihr vierter Spross indes war so jung und unerfahren, dass sie ihm gerne ihren Herrschersitz überließ – um unbehelligt weiter zu regieren. Dabei hielt sie den Vielvölkerstaat frei von Kriegen, brachte den Handel zur Blüte und ihre Untertanen zu Wohlstand.

690 ernannte sie sich zur Nachfolgerin Buddhas und führte den Titel „Heiliger und göttlicher Kaiser von China“. Selbst nach chinesischem Dafürhalten war das nun doch zu viel des Größenwahns! Mit 80 Jahren wurde sie zur Abdankung gezwungen. – Was ihr so missfiel, dass sie kurz darauf starb.

In Indien, wo religiöse wie staatliche Doktrin die Prostitution streng verbietet, erfreut sich dieses Gewerbe (die Frommen sind nun mal die eifrigsten Sünder) seit Jahrhunderten steigender Nachfrage. Leider nicht zum Vorteil der Huren, die meistens verfolgt und verachtet werden. Ausgenommen die Kaste der Ganikas.

Ähnlich den antiken Hetären verfügte eine Ganika über musische Bildung, konnte singen und tanzen und durfte im Gegensatz zur Ehefrau sogar lesen und schreiben – was ja stets mit der Gefahr politischer Mitsprache, wenn nicht gar der Revolte einherging. Wie eine Adelige genoss die Ganika das Privileg, sich öffentlich mit Goldgeschmeide zu schmücken, Sonnenschirme und Fächer zu tragen. Allerdings war sie gezwungen, mit Jedermann zu schlafen, wenn der König es befahl. Sie wurde ausgepeitscht, wenn sie sich verweigerte. Gab sie sich aber bereitwillig und kostenpflichtig hin, waren zwei Tagesgagen monatlich für Steuer fällig. Das entspricht einem Steuersatz von 7%, der heutigen Mehrwertsteuer für Kulturelles.

Sollten Sie dem Buddhismus nahe stehen, haben Sie sicherlich von Ampali gelesen. Diese ebenso geistreiche wie spirituelle Ganika lud 530 v. Chr. einen jungen Prinzen namens Siddhartha Gautama (563 bis 483 v. Chr.) zum Mittagessen ein. Ampalis und ihrer Kollegin Vimalas Begeisterung für den tiefsinnigen Prediger (aber auch ihre stattlichen Huren-Honorare) trugen wohl wesentlich zur Erleuchtung des künftigen Buddhas bei. Mit zunehmendem Alter und fortschreitender Frömmigkeit wechselten die spendablen Ganikas zunächst zur Tempelprostitution und schließlich zur sexuellen Abstinenz. – Was ihrem Karma förderlich gewesen sein mag, kaum aber des Buddhas Kasse.

Auch Hindus zogen Huren der Frustration vor. Sie zierten ihre Tempel mit pornografischen Skulpturen (für Touristen noch heute eine Augenweide: der Tempel von Kharjuraho) und erträumten sich einen Himmel voller tanzender Freudenmädchen. Diese Apsaras und Menakas kommen im Rang den Erzengeln gleich, verheißen dem frohen Toten jedoch größere Freuden als „Gloria“ und „Hosianna“. Um solche jenseitigen Lustbarkeiten schon im Diesseits appetitfördernd erlebbar zu machen, gab es die Devadasi, Tempeltänzerinnen, die auch den Lebenden (zumindest symbolisch) den Himmel auf Erden bescherten.

„Eine Frau genießt das Essen doppelt so sehr wie ein Mann, sie hat ein viermal größeres Wissen, ist sechsmal mutiger und empfindet achtmal so viel Freude am Sex“, lässt ein Respekt gebietendes indisches Sprichwort wissen. Die tägliche Realität in Indien sollte davon lernen.

„Liebe und Geld sind gute Diener, doch schlechte Herren“ so lautete die Maxime der Ninon de Lenclos (1620 bis 1705). Noch heute geht der ehemaligen Klosterschülerin und späteren Kurtisane zur Zeit Ludwigs XIV. („Le roi soleil“ 1638 bis 1715) der Ruf nach, eine der schönsten und geistvollsten Französinnen aller Zeiten gewesen zu sein. Mit Sicherheit war sie lange vor Simone de Beauvoir („Das andere Geschlecht“) der Inbegriff weiblicher Emanzipation.

Ähnlich den Musen von GRETA BRENTANO® ließ sie sich bei der Wahl ihrer Liebhaber von eigener Lust und Zuneigung leiten. Als überaus charmante und amüsante Gesellschafterin widmete sie jedem zahlenden Galan ihre hingebungsvolle Aufmerksamkeit. Ihren Körper jedoch gab sie nur dem Auserwählten hin, der ihre Leidenschaft entfachte. Wer Ninons exquisiter Liebeskunst teilhaftig wurde, konnte somit sicher sein, dass nur seine Persönlichkeit – nicht aber sein Portefeuille oder sein Einfluss bei Hofe – den Ausschlag für die Gunst der klugen Kurtisane gaben. Unter dieser Conditio-sine-qua-non mochte sich der Erwählte als Eroberer fühlen und sein Liebesglück doppelt genießen.

Zu den Gästen ihres Salons zählten: der Dichter Moliére (Jean-Baptiste Poquelin, 1622 bis 1673; Autor satirischer Dramen wie „Tartuffe“, „Der eingebildete Kranke“ und „Schule der Frauen“), Francois de La Rochefoucauld (1613 bis 1680), Begründer der Schule der „Moralisten“ und Verfasser scharfsinniger „Maximen und Sentenzen“ aber auch die Maitresse Ludwig IVX, Madame de Maintenon (1635 bis 1819) und die Königin Christina von Schweden (1626 bis 1689) – insgesamt somit die Crème de la Crème.

Nur die Königinmutter und ihr Hofstaat reagierten entsetzt, dass eine Kurtisane es wagte, die gesellschaftliche Hierarchie auf den Kopf zu stellen. Plötzlich verfügten Kurtisanen über Ansehen und Autorität von dem verheiratete „ehrbare“ Aristokratinnen nur träumen durften. Ninon de Lenclos ließ sich jedoch niemals zu einer Heirat herab. Konsequent bestand sie auf ihrer Autonomie: „Gott, mache einen anständigen Menschen aus mir – aber bitte keine anständige Frau!“.

Man fragt sich: Wie schafft es eine Berufs-Kurtisane bis ins hohe Alter ihren Lebensstandard zu erhalten? Nun denn: Ninon verlangte hohe Honorare, erwarb Grundbesitz und war noch, so heißt es, als Achtzigjährige heiß begehrt. Nach ihrem Tode (mit 85) schrieb der Marquis de La Fare: „Nie habe ich eine so achtbare und der Trauer würdigere Frau gekannt“.

Vielleicht sollte Alice Schwarzer gelegentlich Geschichtsbücher lesen.

„Lieben will ich nur, doch keinem je gehören!“, dieser Ausspruch der Dichterin und Gräfin Franziska „Fanny“ zu Reventlow (1871 bis 1918) entspricht einer Motivation, die fast alle Hetären teilen. Denn die wirklich freie Liebe verträgt keine Bindung.

 

Was Musen jedoch von herkömmlichen Escorts abhebt, ist ihre vollkommene Freiheit – auch in der Wahl ihrer Liebhaber. Als männlicher oder weiblicher Gast (oder als Paar) wählen Sie sich die Muse Ihres Herzens aus und schildern ihr kurz Ihre Persönlichkeit. Beim Treffen in einem Restaurant oder der Hotel-Bar werden Sie und Ihre Muse gemeinsam entscheiden, ob und wie Sie den Abend miteinander erleben: Wollen Sie das Berliner Nachtleben erkunden? Essen gehen? Tanzen? Ein Theater oder Konzert besuchen? Bei beiderseitiger Zuneigung kann sich Ihr Abend auch in eine Liebesnacht verwandeln.

Allerdings: Auch wenn Ihre Muse ein hohes Honorar verlangt, ist sie nicht „käuflich“, sie verspricht keine erotische „Dienstleistung“, Ihre Liebeskunst und Leidenschaft entfacht sie aus eigener Lust.

Ob der Funke zündet, spüren Sie beide ja sofort. Falls das nicht der Fall sein sollte, haben Sie und Ihre Muse das Recht, sich zu trennen – innerhalb der ersten halben Stunde honorarfrei. Da sich Ihre Muse aber von Lust, nicht von Launen leiten lässt, können Sie Ihres Liebesglücks so gut wie sicher sein. Jede Muse verspürt eine natürliche Neigung zur Polyamorie: Erotik mit einem Fremden empfindet sie als erregendes Abenteuer. Zugleich bereitet es ihr Vergnügen, sich verführen zu lassen und Sie zu verführen, um sich gegenseitig zu höchster Lust zu steigern. Und da jede Muse nicht mehr als einen Gast pro Woche akzeptiert, sind sie ihrer totalen Hingabe sicher.

Warum tut eine Frau das? Weil manche Frauen wie auch manche Männer das erotische Abenteuer suchen.

Warum lässt sie sich dafür honorieren? Weil sie darin ein Zeichen Ihrer Wertschätzung erkennt (auf Lateinisch und Englisch bedeutet „honor“ = Ehre).

Sind Musenküsse Ehebruch aus Sicht Ihrer Frau? Keine Ehefrau muss fürchten, dass eine Muse ihren Platz einnehmen will. Denn für eine Muse ist nur die freie Liebe die wahre Liebe.

Können Sie in Schwierigkeiten mit der Justiz geraten? Nicht in Deutschland und wohl in keiner aufgeklärten Demokratie, da hier das Recht echter Zuneigung und freier Entscheidung gilt.

Nota bene: „Tugend ist, was man mit Leidenschaft tut“, Aurelius Augustinus (354 bis 430 n.Chr.), Heiliger.

 

Empfohlene Literatur:

Sachkundig: Nils Johan Ringdal „Die neue Weltgeschichte der Prostitution“ (458 Seiten) PIPER Verlag München 1997, ISBN-13: 978-3-492-04797-5 und ISBN 10: 3-492-04797-1

Nils Johan Ringdal „Love for Sale – a World History of Prostitution” (435 pages) GROVE PRESS 2005, ISBN 0802 141 846

Ein moderner Machiavelli: Robert Green „Power – Die 48 Gesetze der Macht“ (535 Seiten) DEUTSCHER TASCHENBUCH VERLAG 2001 /VIKING New York 1998, ISBN 3-446-19759-1 und ISBN 3-423-36248-0

Eine moderne Kurtisane berichtet: Vanessa Eden „Warum Männer 2000 Euro für eine Nacht bezahlen. Der Escort-Coach“ (352 Seiten) EGOISTIN-Verlag 2013, ISBN-10: 3000 396 411 und ISBN-13: 978-3000 39 64 410

Ein Londoner Callgirl berichtet: „Belle de Jour“ (300 Seiten) GOLDMANN 2006, ISBN-10: 344 24 60697

Studie zur Motivation von Männern: „(Un)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen“ (255 Seiten) Vs Verlag 2005, ISBN-10: 353 114 77 65

Ruth C. Rosen: „The Lost Sisterhood – Prostitution in America 1900-1918”, SOCIAL SCIENCE 1982

Helen J. Self “Prostitution, Women and Misuse of Law – The Fallen Daughters of Eve” 2003 (318 pages)

Polemisch: Alice Schwarzer “Prostitution, ein Deutscher Skandal” (336 Seiten) EMMA BUCH 2013, ISBN: 978-3-462-04578-9

Siehe bitte auch:

www.greta-brentano.de

 

 

Can then sin be love?

deutsche Version ->

The Harlot of the Holy Heart

Why Jesus, Ovid, Propertius, Caesar, Molière, and other greats fell in love with hetaerae.

Mary, a gynecological miracle according to Christian mythology (virgin and mother of God at the same time), is also often called “Queen of Heaven.” An intriguing choice, as this title was also borne (at least in the texts of the Old Testament, written in Babylon) by the “sacred harlots,” high priestesses of temple prostitution, such as Ishtar of Babylon and Ashera of Canaan.

However, recent research contests the existence of temple prostitution, suggesting it is purely mythical. But then, aren’t mythology and legend often far more enlightening than some historical fact? What use is the scientific finding that the wise Solomon did not in fact write the “Song of Songs” himself, and that his palace was hardly bigger than a goat pen?

Church choirs still sang out the lover’s oath of God to his love, Mary, in the Early Baroque period:

“Arise, make haste, my love, my dove, my beautiful, from a far country full of sorrow, and come into the land which I will show thee! Come to me, your most dear lover! For I have loved thee above all others, and I will grant my kingdom to thee, for I have long admired thy beauty.” (Mundy “Vox Patris Caelestis,” around 1550).

The similarity to the “Song of Songs” of Solomon is probably intentional. God courts his chosen like a king – a true potentate. And when Mary’s son, Jesus, preaches: “Love your neighbor as yourself,” he, of course, was not just referring to the giving of alms. Charity (Caritas), love of God (Agape), and the love of parents and children are among the strongest, richest, and most human of all feelings, just like eros and sexus.

Lucas Cranach: Venus and Cupid, © Alte Pinakothek, Munich. The impartial viewer might also see Mary with the baby Jesus in this image.
Lucas Cranach: Venus and Cupid, © Alte Pinakothek, Munich. The impartial viewer might also see Mary with the baby Jesus in this image.

We know that Jesus did not live his whole life without a woman. We also know that the woman who was closest to him and who (together with his mother) was the first to visit his tomb was Mary Magdalene. To John the Evangelist, considered by some exegetes to be the brother of Magdalene, Mary Magdalene was “the woman whom Jesus loved.” Records show that she was a sinner. Jesus cast out seven devils from her at her house in Magdala (by the Sea of Galilee). However, it is not this hocus-pocus that shows Magdalene was a prostitute, but rather the fact that women had no right to run their own home in ancient times – except for hetaerae.

Some confused believers fear that it might be sacrilege to call the partner of the Redeemer a “harlot.” Dear churchy types, did you ever consider that it might rather be an honor? Hetaerae were homeowning prostitutes, well-read in many languages and rhetorically brilliant in comparison to housewives. They were the first emancipated women in history. So Jesus found himself a real women’s libber. Which means he was an emancipated man. Men today would do well to follow the example of this brave, wise lover!

“I am the first and the last. I am the honored one and the scorned one. I am the whore and the holy one. I am the wife and the virgin.” This quotation does not come from Anaïs Nin, the lover of sex apostle Henry Miller, but Mary Magdalene, the partner of a great prophet in Judaism, Islam, and Christianity. Exult, rejoice!

Ovid (Publius Ovidius Naso, 43 BC to 17 AD), a Roman contemporary of Jesus, was equally committed to the subject of love. His Ars amatoria is seen as the first textbook on the art of love. In 49 poems, the pornophile writer presents his readers with a handbook of love techniques that is enjoyable and practical in equal measure. Neither he nor she, he advised, should succumb to Cupid’s arrows and become a puppet of the god of love. It is far more sensible to become master of one’s emotions and refine one’s desires with a clear head – like an artist. This pinnacle of joyful love was only achievable as or with a hetaera. Ovid himself chose the hetaera Corinna as his lover, but unfortunately developed undying love for her. Corinna smiled and Ovid suffered.

All surviving elegies by Propertius (Sextus Aurelius Propertius, 48 to 15 BC), who is counted among Rome’s greatest lyricists along with Ovid, Catullus, and Tibullus, are about the hetaera Cynthia. “She loves neither power nor romance; she evaluates her lovers according to their pocketbooks,” the poet lamented. Whenever he tried to take possession of Cynthia, she eluded him. But more than her beauty and her sensuality, it was her autonomy that attracted men like a magnet. An emancipated woman was something exotic in ancient society: as rare and desirable as a jewel.

Aspasia of Miletus, hetaera, philosopher, and orator (ca 470 to 420 BC), might have looked like this: portrait by Sandro Botticelli © Uffizi, Florence
Aspasia of Miletus, hetaera, philosopher, and orator (ca 470 to 420 BC), might have looked like this: portrait by Sandro Botticelli © Uffizi, Florence

The hetaera Aspasia threw the senate of Athens into turmoil as early as around 450 BC. She was the muse and lover (and later life partner) of the most important statesman in Athenian democracy: Pericles (490 to 429 BC). He, whom we have to thank for the building of the Acropolis, and who was in charge of Athens’s fortunes for 15 years, was seen in his time as a clever diplomat, a cool-headed general, and, above all, as a great orator. “Whenever he appeared in front of the assembly of the people, he could – like a good sprinter – leave the other orators behind,” the poet Eupolis attested. So it was quite a surprise when it became known that his speeches were not written by himself, but by the hetaera Aspasia, who was schooled by Socrates and Plato.

It was embarrassing enough that the first citizen of Athens kept a paid lover; what made things worse was that she was a Milesian – and therefore an enemy. But rather than committing foolish perjury in the style of modern statesmen and repentantly returning to the marital bed, Pericles admitted his passion: in front of the assembly, he embraced his lover and, through tears, swore to the Athenians: “If you wish to take Aspasia away from me, then take my life as well!” The Athenian Council of Elders decided there was no need to get carried away, and Aspasia and Pericles stayed together.

To this day, Cleopatra (Cleopatra VII, 69 to 12 BC) is seen as the Assoluta of all famous women. Egypt’s last pharaoh referred proudly to her ancestors from the Ptolemaic dynasty and that she was descended from statesmen on her father’s side, but hetaerae on that of her mother.

However, there are also sources that claim to see her mother as the daughter of a family of high priests, based on Cleopatra’s knowledge of Egyptian. On that basis, the intelligent princess must have a great many mothers, as Plutarch reports that, in addition to Egyptian, she also mastered Ethiopian, Hebrew, Arabic, Syrian, Median, Parthian, Greek, the language of the Troglodytes (a Libyan tribe), and, of course, Latin.

She certainly acquired two abilities from her parents: her statesmanlike deftness and her art of seduction. Neither Gaius Julius Caesar (100 to 44 BC) nor Mark Antony (ca 82 to 30 BC) could resist Cleopatra’s beauty, because it didn’t exist (as her likeness on busts and coins proves). Equally nonexistent was anything resembling “romantic infatuation” in the heart of this extremely intelligent woman. Nevertheless, the erotic and sexual fascination of the pharaoh must have had an irresistible and incomparable effect on both Roman emperors. No woman can achieve such things through sentimentalism – only through a spectacular grasp of the art of love (which also involves technique, tactics, craft, and desire)!

Imagine Angela Merkel on a state visit to Putin, allowing herself to be wrapped up in a carpet, naked as the day she was born, to offer herself as a gift to the ruler of all Russians in his bedchamber. Quite. In any case, that was the trick with which Cleopatra bewitched and conquered the militarily unbeatable Caesar. We know the rest of the story: the pharaoh becomes ruler of the whole southern Roman empire, bears Caesar a son (Caesarion, 47 to 33 BC), Caesar is assassinated, Caesarion is assassinated, Cleopatra seduces Mark Antony, both seek control over all of Rome, both are defeated by Augustus, and meet their end in suicide. What was Goethe’s placid remark? “We failed together; it was a beautiful time.”

Theodora I, hetaera and the first Christian empress (527 AD), mosaic © Tourist Information Ravenna
Theodora I, hetaera and the first Christian empress (527 AD), mosaic © Tourist Information Ravenna

The first Christian empress (and later saint) began her working life in a brothel and on the streetside as what was known as a “fellatrix” and “meretrix” (prostitute). Motivated by the belief that the world could be a woman’s oyster as easily as a man’s through the goodness of Christ and her iron will, Theodora (500 to 548 AD) took acting classes and studied literature, rhetoric, and languages with the aim of seducing the most powerful ruler of her time, the emperor Justinian I (Flavius Petrus Sabbatius Justinianus, known as “Justinian the Great”, 482 to 565 AD). Something she quickly achieved.

The emperor, renowned for his puritanical, pious nature, fell in love with the beautiful, eloquent hetaera and chose her– though still married – as his consort. In 524, the lovers were wed. From then on, Theodora reigned as an empress of equal standing. While Justinian ensured his place in history with military and architectural heroics (including victory over the Persians and the rebuilding of the Hagia Sophia in its current size and splendor), Theodora practiced what would later be the method of Josef Stalin: she tyrannized the Byzantine Empire with a merciless ideology that victimized anyone who expressed contrary opinions.

“… one might more quickly, I think, count all grains of sand than the vast number (of human lives) whom this Emperor (and his Empress) destroyed,” wrote the historian and philosopher Procopius of Caesarea (500 to 562 AD). Making it all the more incredible that such a doctrinaire ruling couple promulgated the most modern marriage law of its time. The premise was that “mutual affection is the foundation of any marriage” (a revision of the forced marriage valid throughout Europe at the time). Homosexual marriages also became legal. For example, Theodora’s adviser Strategius married his male lover. At the same time, the empress fought against child labor, youth and forced prostitution, and in favor of women’s rights. The fact that they later also criminalized the occupation of hetaerae might be viewed as self-interest: while no man could threaten the most powerful woman in the Western world, she feared female rivals who were as intelligent, beautiful, and seductive as herself – but 20 years’ younger and correspondingly more attractive. Just such a nasty piece of work could easily have developed from among the circle of hetaerae.

In summary: no one and nothing succeeded in defeating Theodora – except for cancer. She died aged 48; no age for a femme d’État!

The following story might turn the stomach of some moralists, but it teaches us to ask the question “Can an evil woman be a good ruler?” without prejudice. And the answer is yes – as proven by the life of Wu Zetian (or Wu Tse-tien, 625 to 705 AD).

By the age of 13, Wu Zetian had already been taken on as a concubine in the harem of Emperor Taizong. When the aged ruler died, his young lover’s hair was shaved – following an ancient custom – and she was sent to a convent: in theory, for life. But Wu, who was gifted with a smart mind as well as a beautiful body, ingratiated herself with the new emperor and his wife through secret correspondence. After seven years, she was permitted to return to the ruler’s palace, where she seduced the heir to the throne (Gaozong) while he urinated. He was so impressed by this shameless beauty, that he chose her to become his main concubine.

In the year 654, Wu Zetian bore the emperor a child. The hitherto childless empress now had to fear for her future in the royal court – and Wu therefore had to fear her revenge. Rather than fleeing, she chose to go on the offensive. She generously allowed the empress to be the first to see the emperor’s child. Unsuspecting, she entered the child’s room – and was arrested on the spot. The cunning Wu had already beaten her own baby with a candlestick, and suspicion immediately fell on the empress – she alone had a motive for murder. And so, after the execution of her rival, Wu had the opportunity to usurp the emperor. She married him in 650, in order to become sole ruler of the Chinese Empire after his death (683). In the year 666, when she turned 41 and her husband began to glance covetously at her beautiful niece, she laced this new love rival’s wine with poison.

Her two sons who aspired to the throne also died unnatural deaths, the third she had certified insane. Her fourth offspring, meanwhile, was so young and inexperienced that she was happy to vacate the throne for him – in order to continue ruling unchallenged. In the process, she kept the multiethnic state free from war, helped trade flourish, and brought prosperity to her subjects.

In 690 she appointed herself the successor to Buddha and took on the title “Holy and Divine Emperor of China.” Even from the Chinese point of view, that was excessive megalomania! At the age of 80, she was forced to abdicate – something that displeased her so much that she died shortly after.

In India, where prostitution is strictly forbidden by religious and state doctrine, the industry has enjoyed increasing demand for hundreds of years (Puritanism, perversion and prostitution seem to depend on each other). Unfortunately not to the benefit of the prostitutes, who are mostly persecuted and despised – with the exception of the Ganika caste.

Similarly to the ancient hetaerae, a Ganika received musical education, could sing and dance, and, unlike a wife, could even read and write – which always brought with it the danger of a political voice, or even revolt. Like an aristocrat, a Ganika enjoyed the privilege of adorning herself with golden jewelry and carrying parasols and fans in public. However, she was also obliged to sleep with any man, should the king order it, and would be flogged should she refuse. If she willingly surrendered, for a cost, two days’ pay per month were due in tax. That is equivalent to a tax rate of 7%, the modern-day VAT rate for cultural items.

If you are familiar with Buddhism, you have surely read something of Ampali. This equally ingenious and spiritual Ganika invited a young prince by the name of Siddhartha Gautama (563 to 483 BC) to lunch back in the year 530 BC. The enthusiasm Ampali and her colleague Vimala showed toward the profound preacher (and their handsome prostitute’s fees) probably made a significant contribution to the enlightenment of the future Buddha. As they grew older and more pious, the generous Ganikas made the change to temple prostitution and eventually to sexual abstinence – which may have been beneficial to their karma, but not to the pockets of the Buddha.

Hindus also preferred prostitutes to frustration. They adorned their temple with pornographic sculptures (the Khajuraho temples are still a feast for tourist’s eyes to this day) and dreamed up a heaven filled with dancing ladies of easy virtue. These apsaras, such as Menaka, are on the same level as archangels, but promise greater joys to those lucky enough to have passed on than “Gloria” and “Hosanna.” To allow such otherworldly festivities to be experienced in this life, there were devadasis, temple dancers who bestowed heaven on earth (at least symbolically) on the living.

“A woman enjoys food twice as much as a man does; she has four times as much knowledge; she is six times more courageous, and gains eight times as much enjoyment from sex,” as the respect-inspiring Indian proverb says. Everyday reality in India could learn something from that.

“Love and money are good servants, but bad masters.” So went the maxim of Ninon de L’Enclos (1620 to 1705). To this day, the former convent schoolgirl and later courtesan at the time of Louis XIV (“The Sun King”, 1638 to 1715) is known as one of the most beautiful and intelligent Frenchwomen of all time. She was certainly the embodiment of female emancipation long before Simone de Beauvoir (The Second Sex).

Similarly to the GRETA BRENTANO® muses, she followed her own desires and affections when choosing her lovers. As an extremely charming and amusing businesswoman, she devoted her full attention to any paying beau – but only surrendered her body to the select few who aroused her passion. Anyone who experienced Ninon’s exquisite art of lovemaking could thus be sure that the favor of the intelligent courtesan had been won by their personality – not their portfolio or influence at court. This sine qua non allowed the chosen one to feel like a conquering champion and doubly enjoy their love life.

The dramatist Molière (Jean-Baptiste Poquelin, 1622 to 1673), author of satirical dramas such as Tartuffe, The Imaginary Invalid, and The School for Wives, was among the visitors to her salon, as was François de La Rochefoucauld (1613 to 1680), founder of the Moralist school and writer of the sharp-witted Sentences and Moral Maxims. Other guests included the wife of Louis XIV, Madame de Maintenon (1635 to 1719), and Queen Christina of Sweden (1626 to 1689) – thus, all in all, the crème de la crème.

Only the queen mother and her royal household were appalled that a courtesan dared turn the societal hierarchy on its head. Suddenly, courtesans had prestige and authority that married, “respectable” female aristocrats could only dream of. Ninon de L’Enclos never deigned to marry, however. She remained true to her autonomy: “My God, make me an honest man, but never an honest woman!”

One can’t help but wonder: how does a professional courtesan maintain her standard of living to a ripe age? Well, Ninon charged hefty fees, acquired land, and was, so they say, still greatly desired as an 80-year-old. After her death (aged 85), the Marquis de La Fare wrote, “Never have I known a woman so reputable and worthy of mourning.”

Perhaps Alice Schwarzer should read some history books.

“I can only love, but I can never belong to another!” These words from poet and countess Franziska “Fanny” zu Reventlow (1871 to 1918) represent a motivation shared by almost all hetaerae, as truly free love can bear no ties.

To revive this idea, 12 young artists and academics came together in Berlin to form the cultural escort agency GRETA BRENTANO®. These modern hetaerae refer to themselves as muses, who bring together five assets in one being: education, eloquence, empathy, eroticism, and elegance.

Once you have met in a restaurant or a hotel bar, you and your muse will decide together how to spend your evening: do you want to explore Berlin’s nightlife? Enjoy a meal? Dance? Go to a theater or concert? If there is mutual affection, your evening could even turn into a night of passion.

However: even if your muse demands a large fee, she is not “for sale” and does not promise any erotic “services” – her art of lovemaking and passion are sparked by her own desire.

Should there be a spark, you will both feel it straight away. If that is not the case, you and your muse both have the right to go your separate ways – free of charge within the first half hour. But as your muse follows her desires and not caprices, you can be almost certain of enjoying the pleasure of love. Every muse feels a natural leaning toward polyamory, and sees an erotic experience with a stranger as an exciting adventure. At the same time, she takes pleasure in being seduced, seducing you, and increasing both your levels of desire. And as each muse accepts no more than one guest per week, you can be certain of her complete devotion.

Why does a woman do this? Because some women, like some men, are looking for an erotic adventure.

Why does she accept remuneration? Because it represents a sign of appreciation.

Does your wife see muse’s kisses as adultery? No wife need fear that a muse wants to take her place, because for a muse, the only true love is free love.

Could you find yourself in judicial difficulties? Not in Germany, and probably not in any enlightened democracy, where the right to genuine affection and free will should reign supreme.

Nota bene: “Virtue is what you make of passion,” Saint Augustine of Hippo.

 

Recommended literature:

Informed: Nils Johan Ringdal, Die neue Weltgeschichte der Prostitution (The New World History of Prostitution); (458 pages), Piper Verlag Munich, 1997, ISBN-13: 978-3-492-04797-5 and ISBN 10: 3-492-04797-1

Nils Johan Ringdal, Love for Sale – a World History of Prostitution; (448 pages), Grove Press, 2005, ISBN-13: 978-0802141842 and ISBN-10: 0802 141 846

A modern Machiavelli: Robert Greene, The 48 Laws of Power; (452 pages), Viking New York, 1998, ISBN-13: 978-067-0881 468 and ISBN-10: 0140280197

A modern courtesan reports: Vanessa Eden, Warum Männer 2000 Euro für eine Nacht bezahlen. Der Escort-Coach (Why Men Pay 2,000 euros for One Night. The Escort Coach.); (352 pages), Egoistin Verlag, 2013, ISBN-13: 978-3000 39 64 410 and ISBN-10: 3000 396 411

A London call girl reports: Belle de Jour, The Intimate Adventures of a London Call Girl; (300 pages), Phoenix, 2007, ISBN-13: 978-0753819234 and ISBN-10: 0753819236

A study of men’s motivation: Sabine Grenz, (Un)heimliche Lust. Über den Konsum sexueller Dienstleistungen (Strange and Secret Desires. On the Consumption of Sexual Services); (255 pages), Vs Verlag 2005, ISBN-10: 353 114 77 65

Ruth C. Rosen, The Lost Sisterhood – Prostitution in America 1900–1918; (272 pages), Johns Hopkins University Press (1983), ISBN-10: 0801826659

Helen J. Self, Prostitution, Women and Misuse of the Law – The Fallen Daughters of Eve; (318 pages), Routledge (2003), ISBN-10: 071468371X

Polemical: Alice Schwarzer, Prostitution, ein Deutscher Skandal (Prostitution, a German Scandal); (336 pages), EMMA BUCH (2013), ISBN-13: 978-3-462-04578-9

Please also see:

www.greta-brentano.de