Genie und Pornograph

Weder ein Erdbeben noch ein zürnender Gott hat den berühmtesten Tsunami aller Zeiten („die große Welle bei Kanagawa“)  geschaffen, es war Katsushika Hokusai.
Auch seine „36 Ansichten vom Berg Fuji“ gelten den Japaners als Jahrtausend-Ereignis.

Katsushika Hokusai „Shunga“ aus dem Buch „Azuma Nishiki“
Katsushika Hokusai „Shunga“ aus dem Buch „Azuma Nishiki“

Dieser Großmeister des japanischen Holzschnitts (er lebte von 1760 bis 1849) war auch der Schöpfer zahlreicher Pornographien (sogenannter „Shungas“ – „Frühlingsbilder“ –  Mangas der Edo-Epoche), die seit langem zu den größten Kunstwerken aller Zeiten zählen  – eine Wertung, die uns mit Freude erfüllt.

400 Werke Hokusais sind nun erstmalig, einmalig und nur für kurze Zeit im Martin-Gropius-Bau zu sehen: vom 26. August bis 24. Oktober 2011 (mittwochs bis montags von 10:00 – 20:00).

Diese Ausstellung der äußerst fragilen Bilder, die wir einer großzügigen Geste der japanischen Botschaft verdanken, sollten Sie nicht versäumen – und falls doch, so erhalten Sie beim Nicolai Verlag den kompletten Bild-Katalog für € 39,95 (ISBN 978-3-8979-688-4).  Vielleicht wollen Sie sich ja auch bei Japan direkt bedanken durch: SPENDEN FÜR JAPAN (Konto-Nr. 600 00 54 902; BLZ 100 500 00; Landesbank Berlin; Konto-Inhaber: Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin).

Hokusai hat schon van Gogh, Toulouse Lautrec, Degas, Picasso, Gustav Klimt und Egon Schiele beeindruckt und beeinflusst – warum nicht auch Sie?

In mir ist viel Frau

Ein Liebeserklärung an den Mann, der in Cannes zum größten Filmregisseur aller Zeit ernannt wurde: Ingmar Bergman.

Was in der Ehrfurchtsstarre vor der Regielegende gerne übersehen wird:

Der Sinnsucher war nicht nur ein Meister der dunklen Töne. Ingmar Bergman hatte Humor.

Selbst das „Siebente Siegel“, sein apokalyptisches Mysterienspiel, wird von Komik aufgehellt.

Vor allem: In Bergmans Gesamtwerk – den über 60 Filmen und mehr als 130 Theaterinszenierungen – pulsiert eine selten gesehene Sinnlichkeit.

 

„Der sinnlichste Film der je gedreht wurde“

Am sichtbarsten manifestiert Bergman seinen tieferen Sinn für Sex in „Das Schweigen“ (1963), von einem Kritiker als „sinnlichster Film, der je gedreht wurde“ gefeiert. Nicht nur hierzulande sorgte er für Aufruhr. Besorgte Spießer schrien Alarm und riefen mit der „Aktion saubere Leinwand“ zum Kampf auf gegen den cinematographischen Schmutz. Auf ihrer Anklagebank: eine weibliche Autoerotik, zwei ausgedehnte Sexszenen und ein paar nackte Brüste.

Schon in seinen frühen Filmen nahm sich Bergman die Freiheit, Haut zu zeigen. Aber von der Stimulationsmechanik des Pornos ist seine Sinnlichkeit Lichtjahre entfernt. Wie die Schwüle des Sommers liegt sie im „Schweigen“  über den in Hassliebe verknoteten Schwestern.

Bergmans Sicht auf den Sexus verdichtet sich in seinen Themen, Motiven und Landschaften. Sie materialisiert sich in den lichtgeborenen Photographien seines kongenialen Kameramanns Sven Nykvist; sie nimmt in den Gesichtern Körpern und Gesten seiner Darstellerinnen Gestalt an.
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