Coco Chanel, die Erfinderin der neuen Frau

Coco ChanelSie haben den Film schon gesehen? Der deutsche Titel „Coco Chanel – Beginn einer Leidenschaft“ erweckt die Vorstellung, die Chanel sei eine hingebungsvolle Geliebte gewesen. Hingegeben hat sie sich indes nur für Geld. Geliebt hat sie sich selbst.  Und Leidenschaft empfand sie ausschließlich für ihre Mode.

Mode?

Die „Mademoiselle“, wie sie sich nannte, hat mehr geleistet, als schöne Frauen mit Parfüm zu besprühen und in ein schickes Outfit zu stecken.  Sie hat durch ihren Stil die Emanzipation und das Selbstbewusstsein der modernen Frau sichtbar gemacht.

 

Von Simone de Beauvoir bis Angela Merkel

Was eine Frau vom Mann unterscheidet, sei – von einigen Geschlechtsorganen abgesehen – allein die Rolle, welche ihr die Gesellschaft aufzwingt. So las man in „Das andere Geschlecht“, dem Buch, mit dem Simone de Beauvoir die Emanzipations-Bewegung bis heute beflügelt.

Was brauchen Frauen mehr als diesen ideologischen Überbau? Sobald sie Universitäten absolvieren und zu Managerinnen, Ministerinnen, gar zu Staatshäuptern avancieren, brauchen sie Klamotten, in denen sie nicht wie Schaufensterpuppen dastehen. Wenn die Merkel und die von der Leyen sich heute dem Kabinett in femininen Anzügen statt in blumigen Fummeln präsentieren, dann folgen sie darin den energischen Fußspuren der Coco Chanel. Zunächst verlacht, dann verehrt reduzierte Coco die weibliche Mode auf schlichte Schönheit und Funktion. Vor fast hundert Jahren erfand sie das „kleine Schwarze“ und das Chanel-Kostüm aus Tweed – Jahrzehnte lang ein Markenzeichen der erfolgreichen Geschäftsfrau.

Ihr größter Coup jedoch gelang ihr 1921: gemeinsam mit dem Parfümeur Ernest Beaux kreierte sie das erste synthetische Parfüm, das durch seinen sachlichen Namen auffiel „Nr. 5“ und durch seinen Flacon, der den Bauhaus Stil vorweg nahm. Bis heute das erfolgreichste Parfüm aller Zeiten, dabei keineswegs billig.

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Eine starke Frau: Herlinde Koelbl im Martin-Gropius-Bau Berlin

„Schönheit langweilt mich“

Im Berliner Martin-Gropius-Bau sind bis zum 1. November 2009 “Fotografien 1976-2009” von Herlinde Koelbl zu sehen. Es ist die erste Werkschau der 69-Jährigen, die dafür aus tausenden Bildern 450 ausgesucht hat.

Darunter Arbeiten aus Koelbl´s Fotoserien “Kinder” (1994), “Spuren der Macht” (1999), “Schlafzimmer” (2002) und “Haare” (2007). Auch unveröffentlichte Bilder kann der Besucher entdecken – darunter drei großformatige Exponate aus der neuen Reihe “Standeskleidung” (2008).

Sehr lebendig, mit wachen Augen und gelocktem, hoch gebundenen Rotschopf ist Herlinde Koelbl alles andere als eine Greisin.

Ihr Blick wirkt wach aber nie kalt, ihr Verstand scharfsinnig aber nie zynisch. So kommt es, dass selbst Joschka Fischer, der gewöhnlich gereizt auf Fotografen-Neugier reagiert, geradezu mit Vergnügen zuließ, wie die Koelbel seine Fress- und Hunger-Attacken über Jahre dokumentierte.

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