Der Boros Bunker

Ein Berliner Bunker aus der Nazi-Zeit ist das Eldorado für Gegenwartskunst?

Als Christian Boros seinen Plan offenbarte, aus dem monströsen Hochbunker in der Reinhardtstraße 20 ein Museum zu machen, hielt man dies für die wahnwitzige Idee eines Privatsammlers. Fakt ist, dass ihm damit eines der wichtigsten Kunst-Projekte gelungen ist, die Berlin zu bieten hat. Ohne Übertreibung: eine Sensation.

Mit seiner labyrinthischen Raumstruktur zählt der Bunker zu den faszinierenden Kunsthäusern der Gegenwart. Vor allem auch deshalb, weil er mehr ist als ein Museum oder eine Galerie: ein Gesamtkunstwerk, das die Freiheit heutiger Kunst in klugen Kontrast setzt zur Angst, Enge und Beklemmung der Krieg mit sich bringt und die der Bunker den Besucher spüren lässt.

Wer das Gebäude betritt, die schweren Stahltüren hinter sich schließt, kommt  in eine andere Welt. Überall Beton, gezeichnet von den Spuren der Zeit. Kein Laut dringt von außen in das fensterlose Verlies. Kein Handyempfang. Im Eingangsbereich eine Glocke. Hoch oben schwingt sie. Unheimlich an der Decke, ohne Schlegel, ohne Glockenton. Eine stumme Mahnerin. Eine halbe Tonne schwer.

Continue reading “Der Boros Bunker” »