Sanfter Wind und spitze Schreie

Ätherisch und elegant – Sasha Waltz holt das Nō-Theater ins Hier und Heute.

Wieder einmal ist Sasha Waltz eine Sternstunde moderner Bühnenkunst gelungen: mit „Matsukaze“ der Tanz-Oper nach einem 600 Jahre alten Stoff des japanischen Nō-Theaters (Musik: Toshio Hosokawa), den sie bruchlos in die Gegenwart überträgt. Choreographie und Musik sind dicht verwoben, vielschichtig und ausgewogen, wundersam sanft und intensiv. Tosender Applaus in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater.

Sasha Waltz erzählt die Geschichte der unerfüllten Liebe zweier Schwestern, Matsukaze und Murasame – arme Salzfrauen am Meer, die als Geister auf ewig die Schmerzen und die Trauer um den Tod ihres gemeinsamen Geliebten Yukihira durchleben müssen, bis endlich ein Wandermönch ihre leidenden Seelen erlösen kann. Das ist ätherisch und elegant inszeniert, aber vor allem höchst lebendig.

Die Sänger und Tänzer agieren in schlichten, teils in mit Schattenwürfen zu Visionen verwandelten Szenen. Fasziniert folgt der Zuschauer einer weit gefächerten Skala von Stimmungen, die von der Stille im sanften Rauschen des Windes hin zu den Schreien der leidenden Schwestern reicht.

In seiner stringenten Ästhetik ist “Matsukaze” ein Glanzstück zeitgenössischen Tanz- und Musik-Theaters. Unbedingt sehens- und hörenswert!

Regie und Choreographie: Sasha Waltz

Musik: Toshio Hosokawa, Libretto: Hannah Dübgen, Produktion: Sasha Waltz & Guests im Auftrag des Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel, Premiere: 5. Mai 2011 am Théâtre Royal de la Monnaie, weitere Aufführungen am Teatr Wielki, Warschau, und in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater.
CH. Horn

Links:
Video-Trailer Matsukaze
[vimeo http://www.vimeo.com/25475780]

Sasha Waltz & Guests
http://www.sashawaltz.de/