L’Amour – la mort

Michael Hanekes Film „Amour“ hat nach der GOLDENEN PALME von Cannes, dem GOLDEN GLOBE und dem französischen CAESAR nun auch den OSCAR erhalten – als bester nicht englischsprachiger Film. Das konnte man sich denken und ist dennoch überrascht.
Denn „Amour“ erweist sich eher als anspruchsvolles Kammerspiel denn als großes Kino-Spektakel. Wir erleben Film-Kunst mit genialer Regie und überragenden Schauspielern (Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant als altes Ehepaar, Isabelle Huppert als dessen Tochter Eva).
Doch anders als der Oscar-Preisträger „Argo“, der wieder einmal versucht, die USA als Heldennation in die Geschichtsbücher zu schreiben, erzählt „Amour“ mit ganz schlichten Mitteln eine Liebesgeschichte. Und wir fragen uns, warum sie so tief  berührt,  ja erschüttert.

Der Mord aus Leidenschaft, aus Eifersucht und zu Hass deformierter Verliebtheit zählt bekanntlich zu den häufigsten Tötungsdelikten. Doch töten aus wahrer Liebe, frei von Eigennutz, das befremdet. Jenes kirchlich sanktionierte Liebesversprechen „bis dass der Tod uns scheidet“ beschreibt einen „Bund fürs Leben“, der sich dem Schicksal oder Gottes Fügung unterwirft.  Doch hier in „Amour“ mordet ein Mann seine Gefährtin nach einem lange Leben voller Glück und Vertrautheit, um ihr gerade das zu ersparen, was man als „Gottes Wille“ oder „Schicksals-Schlag“ bezeichnen mag. Er will die demenzkranke Geliebte vor dem Verfall ihrer Würde bewahren – wissend dass er ohne sie auch selbst nicht weiterleben kann.

Denn wer die Kraft und den Mut hat, solange in Liebe miteinander zu leben, bis Alter, Krankheit und Zerfall den Partner zerstören, der muss auch bereit sein, aus Liebe zu töten. Das ist die Botschaft von „Amour“ – eine Erkenntniss, die scheinbar unmenschlich ist und dennoch und gerade deshalb ein Höhepunkt an Menschlichkeit.

Die Kunst des Michael Haneke und seiner Darsteller liegt vor allem darin, diese Geschichte frei von Sentimentalität zu erzählen. Er weckt Gefühle, statt darin zu baden.

„Amour“ Buch und Regie: Michael Haneke; Produktion: Margaret Ménégoz, Stefan Arndt, Veit Heiduschka, Michael Katz; Kamera: Darius Khondji; Schnitt: Nadine Muse, Monika Willi; Verleih: X-Verleih AG Berlin

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