Ich küsse nicht, ich lasse küssen

In der aktuellen Mai-Ausgabe des Männermagazins “Maxim” erscheint ein geistreich- amüsantes Portrait über Carlos Obers, Kreativ-Direktor der Begleitagentur “Greta Brentano”.

Lesen Sie hier Auszüge des Beitrages von David Baum:

 

Carlos Obers“Ich küsse nicht, ich lasse küssen”

… Es ist eine etwas seltsame Welt, in die man eintaucht, wenn man einige Zeit den Ausführungen dieses Mannes mit der sonoren Bariton-Stimme, die an den TV-Arzt Dr. House erinnert, folgt. Nach gängigen Wertvorstellungen betrachtet ist Carlos Obers jemand dessen einst erfolgreiche Karriere unwiderruflich vorüber ist und der nun einen luxuriösen Callgirl-Ring betreibt – oder genauer: betreut. Denn darauf legt er großen Wert, ein Zuhälter sei er nicht: „Das sind alles selbständige, freigeistige Frauen, denen ich nur mit meinen Kenntnissen bei der Vermittlung helfe“, sagt er … es attraktiven Mädchen fernab des Rotlichtmilieus zu ermöglichen, käufliche Liebe anzubieten … Er schafft es, einen Escort-Service als Empanzipationswerk darzustellen, als Kulturrevolution der Erotik …

… Carlos Obers war ja auch nicht irgendwer in der Werbebranche … Obers ist eine echte Legende. Er hat die Kunst der professionellen Versprechungen nicht nur gelernt, sondern maßgeblich geprägt, mit seinen Kampagnen für die Vogue und Bulthaup-Küchen, für Siemens und das Dürer-Jahr. Von Dürer zeigt er damals dessen nackte Venus und schrieb darunter: „Ganz schön sexy für 1503“. Anfang der Neunziger, als Werber Superstars waren, die alle Klischees von koksenden, Porsche fahrenden, Models verführenden Genies erfüllten- in dieser Zeit war Obers ihr aller Boss, da war er als Präsident des deutschen Art Director´s Club auf dem Zenit seiner Karriere. Er war gut, er war mutig, er war ein Künstler … entwickelte mit seinem Freund und Förderer Bill Bernbach, der als Erfinder der modernen Werbung gilt, Anzeigenmotive, „die anders waren, subtil und intelligent“ …

„Den ganzen Tag schöne Frauen, was will ich mehr?“

…. In seinem kleinen Apartment zeugen ein Designer-Glastisch, eine Hifi-Anlage und kleine afrikanische Holzpuppen mit erigierten Penissen wie Relikte von einem Leben, das einmal sehr stylish gewesen sein muss. Die Bücher in den Regalen drängen einem das Bild eines belesenen und vielseitig interessierten Mannes auf…Wo ist all das Geld, das er doch in den goldenen Werbe-Jahren verdient haben muss? „Ach“ winkt er ab „ich bin nicht der Mann, der gerne volle Bankkonten betrachtet…Ich arbeite von morgens bis abends 16 Stunden täglich. Das ist mein Leben, war es immer schon. Ich verdiene heute nur noch ein Hundertstel von meinem früheren Gehalt, wenn überhaupt …“Aber dafür bin ich den ganzen Tag von schönen Frauen umgeben. Was will ich mehr?“

Carlos Obers war dreimal verheiratet und hat vier Kinder. Immer wenn eine Ehe zerbrach, hat er Bekanntschaften mit Huren gemacht. „Prostitution fand ich nie anrüchig, sondern immer interessant und aufregend. Dass Frauen nur eine Art von Erotik haben, nämlich zum Kinderkriegen, das ist völliger Quatsch“…All die Bildung als Creative Director, seine Lust am Abenteuer, seine Freude am Ungewöhnlichen – alles entlud sich schließlich in der Idee von „Greta Brentano“.

Seine Mädchen heißen nicht Huren, sondern „Musen“

„Ich habe eines Tages eine Frau kennen gelernt, ein Luxus-Callgirl. Die wollt ihre eigene Website machen und fragte, ob ich sie beraten könne. Dann habe ich mir das Thema ´Escort angesehen und festgestellt, dass der ganze Markt stark nach Neckermann Katalog aussieht.“ Also machte er sich ans Werk und entwarf einen ..Service, der cool klingt und schick und ein bisschen nach freier Liebe in Zeiten des Raubtierkapitalismus …“Auch damals war ich schon gegen die konservative Moral“, sagt er. „Es gibt nichts Unethischeres als das ständige Moralisieren. Ich lebe und arbeite nach einem einfachen Prinzip: Bei allem, was ich tue, muss für andere etwas Gutes herausspringen.“

Und seine Mitarbeiterinnen, das sagt er immer wieder, seien starke, glückliche Frauen. „Manchmal berichten Sie mir, wie toll ihre Dates gewesen sind. Denn die Männer, die sich das leisten, sind eben wahre Genießer. Aston Martins werden ja auch nicht von jedem Deppen gefahren.“ Er selbst nimmt die Dienste seiner Musen nicht in Anspruch, sagt Obers. „Das würde die Zusammenarbeit zu sehr beeinträchtigen.“…

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